Interview-Partner auf dem Rotenburger Marktplatz, wo sie sich bei der Abfahrt auch von ihren Freunden verabschiedet haben, mit einer Plakette: „Superkarre“ – die gab’s vom Veranstalter für das ausgefallenste Auto. Foto: Achim Meyer

Montagsinterview: Ohne Truck zurück von einer erlebnisreichen Benefiz-Rallye

Rotenburg. Rund 7000 Kilometer legten Fabian Bickel, Thomas Rathke, Johanna Brehm und Albrecht Leppin in einem ausrangierten Feuerwehrauto zurück – wir berichteten. Das Ziel der Benefiz-Rallye Dresden-Dakar-Banjul haben sie erreicht. Wir haben Fabian Bickel aus Hergershausen und Johanna Brehm aus Beiseförth gefragt, was sie auf ihrer Reise erlebt haben.

Auf eurer Internetseite habt ihr noch in Spanien gemeldet, dass eine Zylinderkopfdichtung kaputt war. Hattet ihr Zweifel, ob ihr überhaupt am Ziel ankommen würdet?

FABIAN: Ja, das war der einzig kritische Moment, als wir festgestellt haben, dass wir nicht das richtige Ersatzteil dabei hatten. Die Nerven lagen blank.

JOHANNA: Wir mussten zwei Tage auf die Post mit dem Ersatzteil warten, haben im Industriegebiet an der Straße geschlafen. Dazu kam das Sprachproblem. Wir haben dann eine Fähre zwei Tage später genommen. Alle haben sich gefragt, ob wir das überhaupt schaffen.

Was war auf der Reise die größte Herausforderung?

JOHANNA: Die Wüstendurchquerung. Das war etwas ganz anderes: Raus aus der Zivilisation für vier Tage, keine Duschen. Diese Strecke sind wir im Konvoi mit allen Fahrzeugen und Polizeischutz gefahren.

FABIAN: Die technische Herausforderung war, wie sich das Auto auf Sand verhält. Wir sind zweimal eingesunken und mussten uns freischaufeln. 

Das Team

Was war der schönste Moment auf der Reise?

FABIAN: Für mich war das, als da das Grenzschild von Gambia stand und wir unser Ziel fast erreicht hatten. Da war man schon erleichtert. 

JOHANNA: Das Schönste für mich war, die Veränderung der Landschaft und der Kultur zu erleben. In Schwarzafrika war der Lebensstil ein ganz anderer als in den Ländern in Nordafrika.

FABIAN: Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen war super. Die Menschen haben sich für unser Auto interessiert. Einmal hat uns jemand beim Radwechsel geholfen, und wir haben ihn dafür mit Konservendosen bezahlt. 

Ihr seid mit dem Flugzeug zurückgekommen, Was ist aus eurem Truck geworden? 

FABIAN: Der Gedanke war eigentlich, dass das Fahrzeug so wie die anderen Rallye-Autos für einen guten Zweck versteigert wird. Aber das wurde geändert. Wir haben das Fahrzeug einer Ausbildungswerkstatt gespendet, die von der Hilfsorganisation aufgebaut wurde.

JOHANNA: In der Einrichtung werden Jugendliche zu Lkw-Schlossern ausgebildet. Das Ziel ist, dass die Jugendlichen sich hinterher selbstständig machen können. Unseren Lkw wollen sie als Pannenfahrzeug und Abschleppwagen nutzen. 

Wie hat euch die Reise verändert?

FABIAN: Man lernt die Sachen zu schätzen, die man hier in Deutschland für selbstverständlich hält. Ob das jetzt Schulbildung, hygienische Standards oder zuverlässige Stromversorgung betrifft. Die vielen Eindrücke und Erfahrungen, die wir während der Reise sammeln konnten, werden uns in unserem weiteren Leben begleiten. Wir möchten uns zum Abschluss noch bei allen Sponsoren bedanken, mit deren Hilfe es möglich war, den Lkw zu finanzieren.

Das Interview führte Achim Meyer (Quelle: HNA)